Foto-AG: Vom Versuch, Unfassbares bildlich zu transportieren

„Anlässlich des Gedenktages vom 9. November machen wir uns auf den Weg zum Mahnmal am S-Bahnhof Grunewald. Als Foto-AG unserer Schule sind wir schon eineinhalb Stunden vor Beginn der Gedenkveranstaltung da. Wir prüfen die Lichtverhältnisse, schauen uns den Ort und die Wege an und planen unsere Arbeit. Später werden wir fotografieren, dann auswählen und bearbeiten, verarbeiten dabei auch das Ereignis inhaltlich und am Ende präsentieren wir unsere Bilder  – so wie es ein Fotograf tun würde bei seinem Auftrag. Der Gedenktag ist für uns eine besondere Herausforderung, da wir einerseits gerne fröhlich, frei, kreativ und experimentell arbeiten, andererseits hier eine besinnliche, sehr ernste Veranstaltung dokumentieren werden.
Wir haben uns darauf geeinigt zu unterscheiden:
 1. Wir schießen Fotos, der reinen Dokumentation wegen:  Wer ist unterwegs, warum, wo. Menschen, Anlass und Ort sollen dokumentiert werden an diesem Tag. Die Stimmung ergibt sich nur durch den Anlass selbst, die Darstellung dessen. Wir üben die Detailaufnahme, sowie den Umgang mit Perspektiven und Tiefenschärfe.
2. In einem weiteren Schritt werden unsere Bilder im Blick auf den Inhalt der Veranstaltung ausgewählt und bearbeitet werden. Ein unfassbarer Anlass, unser Gefühl dazu, oder auch das nicht Erfassen-können der Reichweite des Ereignisses soll bildlich dargestellt werden. Die Schienen verlaufen ins Leere, ein Wald wächst mit der Zeit, Herbstlaub, Erinnerungen, Vergänglichkeit, das Ungewisse, die Abwesenheit der Menschen, Trauer, Gedenken, Respekt … solche Dinge thematisieren wir, wenn wir unsere Motive wählen und sie bearbeiten. Fotografie erfahren wir als produktives Medium, in seiner Funktion der Dokumentation. Wir lernen die Fotografie darüber hinaus kennen als Medium mit Möglichkeiten des besonderen Ausdrucks und erproben sein Potenzial, sowohl äußere als auch innere Prozesse wirkungsvoll zu transportieren.

Text: Tatjana Schikorski
Fotos: Foto-AG & Tatjana Schikorski

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